DMSO in der begleitenden Krebstherapie – unterschätztes Potenzial oder überschätzte Hoffnung?
Dimethylsulfoxid (DMSO) ist seit Jahrzehnten Gegenstand intensiver Forschung – vor allem in der experimentellen Medizin. Als Nebenprodukt der Holzverarbeitung entdeckt, sorgte es in den 1960er Jahren für Aufsehen, weil es Zellmembranen durchdringt, Entzündungen hemmt, Schmerzen lindert und zellschützend wirkt. In der Onkologie gilt es seither als unterdrückter Geheimtipp, der zwar nicht heilen kann, aber unter bestimmten Voraussetzungen eine wertvolle Unterstützung darstellt.
Was kann DMSO wirklich leisten?
Zunächst muss klar sein: DMSO ist kein Krebsheilmittel. Weder ersetzt es Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie, noch liegt eine Zulassung als onkologisches Therapeutikum vor. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass es begleitend eingesetzt die Lebensqualität verbessern, Nebenwirkungen mildern und Gewebe schützen kann – insbesondere bei Strahlen- und Chemotherapien.
Zellschutz bei Strahlentherapie?
Schon 1961 zeigten amerikanische Forscher um Lovelock, dass DMSO Zellen vor Strahlenschäden schützt. In der Folge entstanden zahlreiche tierexperimentelle Arbeiten, etwa:
- Bond et al. (1962) beobachteten bei Mäusen, dass DMSO das Überleben nach Ganzkörperbestrahlung deutlich verlängert.
- Jacob et al. (1964) konnten zeigen, dass DMSO Haut und Schleimhaut vor Strahlenschäden bewahrt, wenn es vorher topisch oder systemisch verabreicht wurde.
- Russische Studien aus den 1970er Jahren berichteten von Erfolgen bei der Vorbeugung von Strahlendermatitis, Fibrosen und Mukositis, vor allem bei gynäkologischen Tumorpatientinnen.
Diese Effekte beruhen auf der Fähigkeit von DMSO, freie Radikale abzufangen, die Zellmembran zu stabilisieren und entzündungsfördernde Zytokine zu reduzieren (z. B. IL-6, TNF-α).
Schutz vor Chemotherapie-Schäden?
Ein anerkanntes Einsatzgebiet von DMSO in der Onkologie ist die Behandlung sogenannter Extravasationsschäden – also Gewebeschäden durch versehentlich ins umliegende Gewebe gelangte Zytostatika.
- Lagneaux et al. (1988) behandelten 20 Patienten mit Anthrazyklin-Extravasationen erfolgreich mit topischem DMSO – kein einziger entwickelte Ulzerationen.
- Weitere Studien aus den 1980er und 90er Jahren belegen eine hohe Erfolgsquote bei Kombination mit Vitamin E (α-Tocopherol).
Auch kardiale Nebenwirkungen von Doxorubicin könnten durch DMSO abgeschwächt werden, wie tierexperimentelle Daten nahelegen. In der Praxis findet diese Anwendung jedoch kaum statt.
Wirkung auf Tumorzellen? Ein umstrittenes Feld!
Einige in-vitro Studien legen nahe, dass DMSO das Wachstum bestimmter Tumorzellen hemmen oder deren Differenzierung beeinflussen kann. So zeigte eine Studie von Takahashi et al. (1985), dass Leukämiezellen unter DMSO-Einfluss ihre Teilung einstellen und sich in reifere Zellformen umwandeln.
Auch bei Brustkrebs, Prostatakarzinom und Hirntumoren wurde über ähnliche Effekte berichtet. Jedoch gilt:
- Diese Effekte traten bei hohen Konzentrationen auf, die in vivo kaum erreichbar sind.
- Es fehlt an klinischen Studien, die einen relevanten Tumoreffekt beim Menschen belegen.
DMSO ist also kein zytotoxischer Wirkstoff im klassischen Sinne.
Erfahrungsberichte aus der Praxis
Einige naturheilkundlich oder integrativ arbeitende Ärzte setzen DMSO erfolgreich ein, um:
- Krebsschmerzen zu lindern, insbesondere bei Knochenmetastasen oder neuropathischen Beschwerden.
- Fibrosen und Narbenbildung nach Operationen oder Bestrahlung zu verringern.
- Wundheilung nach Tumoroperationen zu verbessern.
Ein bekannter Fall ist Otis Bowen MD, ehemaliger US-Gesundheitsminister, der die Schmerzen seiner krebskranken Frau mit DMSO linderte – inoffiziell, aber erfolgreich.
Risiken und Nebenwirkungen
Trotz seiner vielen positiven Eigenschaften ist DMSO kein harmloses Wundermittel:
- In hoher Dosierung kann es Leber und Niere belasten.
- Es verändert die Permeabilität der Zellmembran, was Wechselwirkungen mit anderen Substanzen verstärken kann.
- Häufige Nebenwirkungen sind Knoblauchgeruch über Haut und Atem, Hautreizungen und selten allergische Reaktionen.
Bei innerer Anwendung ist größte Vorsicht geboten. Eine therapeutische Nutzung gehört in erfahrene Hände – idealerweise unter ärztlicher Begleitung.
Fazit
DMSO ist kein Krebstherapeutikum, aber möglicherweise ein unterschätzter Adjunkt in der biologischen Krebsmedizin. Als Radikalfänger, Zellschutzmittel und Entzündungshemmer bietet es Potenzial, um Nebenwirkungen zu lindern und die Verträglichkeit klassischer Therapien zu verbessern.
Was fehlt, sind neuere Studien, die das Potenzial in gut kontrollierten Settings bestätigen. Aber WER sollte Interesse daran haben? Klar: betroffene Patienten. Die Krebs-Pharma? Sicher nicht. Die Ärzte? Die allermeisten haben davon noch nie gehört. Und die, die davon gehört haben bezeichnen das als „gefährlich“, „Schwachsinn“, usw. – und ich behaupte einmal, dass sich diese Mediziner noch nie mit der Studienlage oder den Anwednungsberichten beschäftigt haben.
Tja… Was soll man zum Schluss sagen? DMSO bleibt ein vielversprechendes Mittel am Rande der onkologischen Leitlinien – ein Werkzeug für erfahrene Therapeuten, kein Allheilmittel. So stellt sich das zumindest für mich derzeit dar.
Vorsichtig zusammengefasst kann man sagen:
Quellen:
- Jacob SW, Herschler R. Pharmacology of DMSO. Ann N Y Acad Sci. 1975.
- Bond VP et al. Radiation protection with DMSO. Radiat Res. 1962.
- Takahashi H et al. Differentiation of HL-60 cells by DMSO. Cancer Res. 1985.
- Lagneaux L et al. DMSO treatment of anthracycline extravasation. Ann Oncol. 1988.
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